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5 praktische Tipps Liefertreue verbessern

24 Februar 2022/Insights

Sorgen späte Lieferungen und falsche Mengen für Frust bei Ihren Käufern und treiben sie Ihre Kosten in die Höhe? Reines Tracking reicht nicht aus, um die Liefertreue zu verbessern. Sie brauchen echte, operative Verbesserungen. Verpasste Termine verärgern nicht nur Kunden. 

Sie stören auch Produktionspläne. Sie binden Kapital in zusätzlichen Sicherheitsbeständen. Und sie schädigen still den Ruf Ihrer Marke. Hier sind fünf praktische Tipps, mit denen Sie Ihre Liefertreue verbessern.

Die Liefertreue-Definition

Die Liefertreue ist eine zentrale Kennzahl in der Logistik. Sie zeigt, wie zuverlässig ein Lieferant liefert. Gemeint sind Pünktlichkeit, Zustand und die richtige Menge. Zwei Säulen tragen diese Kennzahl: Termintreue und Mengentreue.

Termintreue

Innerhalb der Termintreue lohnt sich eine Unterscheidung. Zwei Konzepte stecken dahinter.

  • Termintreue zum bestätigten Termin: Wie oft wird ein angekündigter Liefertermin eingehalten? Das ist eine betriebsinterne Kennzahl. Sie zeigt, wie gut Lager, Transportplanung und Versanddienstleister zusammenspielen.
  • Kundenwunschliefertreue: Trifft die Lieferung exakt zum Wunschtermin des Kunden ein? Diese Unterscheidung klingt kleiner, als sie ist. In der Just-in-Time-Produktion hält ein Kunde oft bewusst kaum Sicherheitsbestand. Dort kann eine zu frühe Lieferung genauso stören wie eine zu späte. Sie kommt an, hat aber keinen Platz. Im schlimmsten Fall stoppt sie sogar die Fertigung. Schnelligkeit allein zählt hier nicht. Zeitliche Präzision zählt.

Die Kundenwunschliefertreue ist das sichtbarste Maß für Ihre Verlässlichkeit. Darum geht es in diesem Artikel vor allem. Sie ist ein starker Treiber für die Kundenzufriedenheit. Die Erwartungen unterscheiden sich aber je nach Zielgruppe. Ein B2C-Kunde verzeiht eine kleine Verspätung eher. Die B2B-Beschaffung tut das selten. Anhaltende Schwächen bei der B2B-Liefertreue wirken sich schnell aus. Kunden reagieren mit höheren eigenen Sicherheitsbeständen. Das bindet ihr Kapital. Und es treibt sie mittelfristig zu einem zuverlässigeren Lieferanten.

Mengentreue

Die Mengentreue misst etwas anderes. Kommt die exakt bestellte Menge an? Unterlieferungen frustrieren Kunden. Sie stoppen oft sogar die Produktion. Überlieferungen bringen ein anderes Problem: überschüssige Bestände und höhere Lagerkosten. Konstante Genauigkeit bei beiden schafft Vertrauen. Sie reduziert außerdem teure Sicherheitspuffer auf beiden Seiten.

Kurz gesagt: Termintreue und Mengentreue machen Liefertreue greifbar. Stimmen beide, sparen Sie und Ihre Kunden bares Geld.

Ist Liefertreue gleich Lieferperformance?

Beide Begriffe werden oft synonym verwendet. Sie beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Die Liefertreue ist eng gefasst. Wurde pünktlich, vollständig und ohne Mängel geliefert? Die Lieferperformance ist breiter angelegt. Sie betrachtet den gesamten Fulfillment-Prozess. Das reicht vom Warehouse-Betrieb bis zur Haustür des Kunden.

Zur Einordnung eine kurze Gegenüberstellung:

KennzahlHauptfokusKernfrageVerwandtes Konzept
LiefertreueErgebnisgenauigkeitHat der Kunde die exakte Bestellung zum zugesagten Termin erhalten?Termintreue
LieferperformanceProzesseffizienzWie effektiv hat die gesamte Lieferkette den Auftrag abgewickelt?Lieferzuverlässigkeit
OTIF (On Time In Full)Kombiniertes ErgebnisWurde pünktlich und vollständig ohne Mängel geliefert?Order Fulfillment

Ein Praxisbeispiel macht das greifbar. Ihr Fulfillment Center versendet eine Bestellung absolut pünktlich. Das ist starke Termintreue. Doch das ERP-System gleicht die Rechnung nicht korrekt mit dem Wareneingang ab. Das ist ein Fehler im sogenannten Three-Way-Match. Der Kunde kann den Bestand trotzdem nicht verbuchen. Ihre physische Lieferung war einwandfrei. Ihre Lieferperformance versagt trotzdem, weil der Kunde eine Verzögerung erlebt. Genau deshalb brauchen Unternehmen echte Transparenz über die gesamte Lieferkette. Man nennt das auch Supply Chain Visibility. Nur so erkennen Sie, ob ein Engpass im Lager liegt oder in der IT-Anbindung.

Liefertreue-Berechnung

Die Berechnung Ihrer Ausgangsbasis ist der erste Schritt zur Besserung. Die Formel selbst ist einfach.

Liefertreue (%) = (Anzahl der pünktlichen und vollständigen Lieferungen / Gesamtzahl der Lieferungen) x 100

Ein Beispiel: Ein Unternehmen hat monatlich 107 Lieferaufträge. 93 davon kommen pünktlich und vollständig an. Die Liefertreue für diesen Monat beträgt damit 87 %.

Diese Basiskennzahl lässt sich weiter verfeinern. Gewichten Sie dafür das Ausmaß der Verspätung. Eine dreitägige Verspätung drückt den Wert dann stärker als eine eintägige. Das ergibt ein ehrlicheres Bild als eine reine Ja-Nein-Zählung.

Wie Sie diese Kennzahl überwachen, ist mindestens so wichtig wie der Wert selbst. Ein monatliches Reporting ist Standard. Die wöchentliche Verfolgung des Trends warnt Sie aber viel früher. Eine leicht sinkende Trendlinie zeigt ein systemisches Problem frühzeitig. So vermeiden Sie echte Vertragsstrafen oder verlorene Kunden. Setzen Sie zudem realistische Erwartungen. Eine echte Liefertreue von 100 % ist selten erreichbar. Der Versuch, sie zu erzwingen, bedeutet meist unnötig hohe Expresskosten. Das realistische Ziel ist eine starke, wettbewerbsfähige Basislinie. Behalten Sie ihre Entwicklung eng im Blick.

Am Ende der Lieferkette steht die Auslieferung der Ware zum Käufer

Liefertreue verbessern: 5 Tipps

Eine dauerhaft hohe Lieferperformance braucht einen strategischen Ansatz. Schnelle Notlösungen reichen nicht aus. Der Übergang vom reaktiven Tracking zum proaktiven Management ist entscheidend. Dabei geht es darum, die echten Ursachen von Verzögerungen anzugehen. Hier sind fünf konkrete Schritte für bessere Abläufe.

Prozessanalyse und Prozessoptimierung

Bevor Sie externe Zusagen machen, schauen Sie zuerst nach innen. Werden Waren zu langsam kommissioniert? Verursachen Verpackungsfehler viele Retouren? Eine schlechte Informationsweitergabe ist oft der Hauptgrund. Das betrifft vor allem Vertrieb, Lager und Transport.

Ein modernes Warehouse Management System (WMS) schließt diese Lücke meist am schnellsten. Barcode-Scanning und Prozessautomatisierung verbessern gleich zwei Dinge: die Bestandsgenauigkeit und die Auftragsgenauigkeit. Beide schaffen zusammen mehr Datentransparenz im Lager. So erkennen Sie einen Kommissionier- oder Verpackungsfehler früh. Idealerweise, bevor überhaupt ein Versandetikett gedruckt wird. Klare Standardarbeitsanweisungen helfen zusätzlich. Sie sichern Kommissionierung und Verpackungsgenauigkeit ab. So hängt das Ergebnis nicht vom Tagesablauf einzelner Mitarbeitender ab.

Prozesse müssen sich zudem an schwankende Nachfrage anpassen, etwa zur Vorweihnachtszeit. Ein Ablauf, der im Normalmonat gut funktioniert, kann in der Hochsaison zusammenbrechen. Das passiert vor allem, wenn Engpässe zu spät erkannt werden.

Realistische Lieferterminbestimmung

Versprechen Sie keine Lieferung am nächsten Tag, wenn Ihr Lager das nicht leisten kann. Fristen unter Abschlussdruck kollidieren oft mit der Realität im Lager.

Ein ehrlicher Liefertermin braucht echte Kapazitätsplanung. Er braucht außerdem verlässliche Bedarfsprognosen. Berücksichtigen Sie die Verfügbarkeit von Frachtführern. Denken Sie an saisonale Schwankungen und reale Durchlaufzeiten, nicht an Bestfall-Annahmen. Wer die tatsächliche Zeit für Kommissionierung, Verpackung und Übergabe einkalkuliert, gewinnt spürbar an Zuverlässigkeit. Ein kürzeres Versprechen, das Sie nicht halten können, bringt wenig. Ein etwas längeres, das Sie sicher halten, ist mehr wert. Realistische Termine schaffen langfristiges B2B-Vertrauen. Gebrochene, optimistische Versprechen schaffen das Gegenteil.

Differenzierung der Lieferversprechen

Nicht jedes Produkt lässt sich gleich schnell versenden. Ein pauschales Lieferversprechen über den ganzen Katalog ist riskant. Zerbrechliche oder übergroße Waren brauchen besondere Handhabung. Routing-Vorgaben einzelner Handelspartner bringen zusätzliche Schritte mit sich. Auch Teilladung (LTL) und Komplettladung (FTL) verhalten sich unterschiedlich. Cross-Docking-Prozesse bringen eigene Zeitfenster mit sich. Internationale Sendungen bringen zudem Zollverzögerungen mit sich, die der Inlandsversand nicht kennt.

Segmentieren Sie Ihre Lieferfristen daher nach Produktart, Versandroute und Saison. Ein pauschales Versprechen über Ihr gesamtes Distributionsnetzwerk lohnt sich nicht.

Priorisierung der Aufträge

Steigt das Auftragsvolumen sprunghaft an, führt Gleichbehandlung oft zu Verzögerungen. Sie brauchen ein klares Rahmenwerk für die Ressourcenzuweisung. Legen Sie es fest, bevor der Ernstfall eintritt, nicht währenddessen.

Hochwertige B2B-Kunden gehören in eine priorisierte Fulfillment-Warteschlange. Das gilt auch für Aufträge mit strengen Service Level Agreements (SLAs). Besonders wichtig ist das in Fertigungsumgebungen mit Just-in-Time (JIT)-Produktion oder Lean Manufacturing. Eine verzögerte JIT-Komponente ärgert nicht nur einen Kunden. Sie kann dessen gesamte Produktion stoppen. Legen Sie Regeln für die Hochsaison im Voraus fest. So entscheiden Sie nicht erst unter Druck im laufenden Betrieb, welche Aufträge zuerst verladen werden.

Nur erreichbare Ziele setzen

Kontinuierliche Verbesserung braucht ein erreichbares Ziel. Liegt Ihre aktuelle Liefertreue bei 85 %, ist ein Ziel von 99 % im nächsten Monat kein Plan. Es ist ein Wunsch, wenn sich strukturell nichts ändert.

Nutzen Sie KPI-Dashboards, um realistische Benchmarks zu setzen. Formale Lieferanten-Scorecards und Vendor-Compliance-Programme helfen zusätzlich dabei. Wenn eine Lieferung fehlschlägt, suchen Sie die genaue Ursache. Lag es an der Transportplanung, der Bestandskontrolle oder einer Lieferantenverzögerung? Achten Sie darauf, interne Sanktionen fair zu gestalten. Zu strenge Scorecards verleiten Lieferanten zu einem Trick. Sie schreiben leicht verspätete Aufträge einfach ab, um ihre eigenen Werte zu schützen. Das untergräbt den eigentlichen Zweck. Nachhaltige operative Effizienz entsteht durch strukturiertes, ehrliches Benchmarking, nicht durch Wunschdenken.

Fazit

Der Nutzen einer besseren Liefertreue braucht kaum Erklärung. Kunden bleiben treu. Sie bestellen wieder. Und sie empfehlen Sie weiter. Eine hohe Liefertreue ist einer der direktesten Hebel für Kundenzufriedenheit. Gepaart mit solider Lieferperformance treibt sie zudem das Folgegeschäft an. Ein erfahrener Fulfillment-Partner wie Apiando hilft Ihnen dabei. So setzen Sie diese Verbesserungen praktisch um, ohne Ihren Betrieb von heute auf morgen umzukrempeln.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Wert für die Liefertreue? Die meisten gut organisierten Betriebe liegen zwischen 90 und 98 %. Echte 100 % sind selten realistisch. Sie verursachen meist unnötig hohe Expresskosten.

Was unterscheidet Liefertreue von OTIF? OTIF (On Time In Full) fasst Pünktlichkeit und Vollständigkeit zusammen. Die Liefertreue deckt vor allem Zeit und Genauigkeit ab. OTIF berücksichtigt zusätzlich Auftragsgenauigkeit und Warenzustand.

Wie oft sollte ich die Liefertreue messen? Monatlich reporten, wöchentlich prüfen. Wöchentliche Trends zeigen Probleme frühzeitig. So bleibt genug Zeit zum Gegensteuern.

Kann die Liefertreue 100 % erreichen? Das ist selten. Der Versuch kostet meist mehr an Expressversand, als der Zuverlässigkeitsgewinn wert ist. Eine starke, eng überwachte Basislinie schlägt die Jagd nach der perfekten Zahl.

Wann lohnt sich ein Fulfillment-Partner?

Ein wachsendes Bestellvolumen bringt die interne Logistik irgendwann an ihre Grenzen. Verpassen Sie regelmäßig SLAs? Kämpfen Sie mit dem Volumen der Hochsaison? Verbringen Sie mehr Zeit mit Lagerfehlern als mit der Weiterentwicklung Ihres Produkts? Dann ist externe Unterstützung meist sinnvoll. Das gilt auch für die Reverse Logistics bei Retouren. Sie frisst mit wachsendem Volumen oft still und leise wertvolle Kapazität.

Ein erfahrener Fulfillment-Partner fängt Schwankungen im Bestellvolumen ab. Er verschafft Ihnen zudem sofortigen Zugang zu WMS-Technologie. Außerdem nutzt er ein etabliertes Netzwerk an Versanddienstleistern. So optimiert er Last-Mile-Delivery und Routenoptimierung über ein größeres Distributionsnetzwerk hinweg. Wenn interne Kapazitätsgrenzen Ihr Wachstum bremsen, lohnt sich ein genauer Blick. Entdecken Sie, wie Apiando eCommerce Fulfillment Ihre aktuelle Ausgangsbasis prüfen kann. Und wie der Partner die nötige Infrastruktur für weiteres Wachstum bereitstellt, ohne Abstriche bei der Zuverlässigkeit.

INHALTSVERZEICHNIS
  1. Die Liefertreue-Definition
  2. Ist Liefertreue gleich Lieferperformance?
  3. Liefertreue-Berechnung
  4. Liefertreue verbessern: 5 Tipps
  5. Fazit
  6. Häufige Fragen
  7. Wann lohnt sich ein Fulfillment-Partner?
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